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Familie und andere Katastrophen

Montag, 17. November 2008

Hoffnungsbrei

Als ob mich mein Gewissen nicht schon genug plagen würde, bezüglich der Leute, bei denen ich mich momentan nicht melde und bezüglich meines Freundes, für den ich noch weniger Zeit habe als sowiso schon und für den ich momentan noch schwieriger zu ertragen bin als sowiso schon, habe ich natürlich auch ein schlechtes Gewissen, dass ich mich nicht melde.
Es steht mir mal wieder eine verdammt lange Woche bevor mit einem halben freien Tag den ich bei einer Freundin verbringen werde. Wahrscheinlich. Eigentlich würde ich Samstag nach drei Tagen Spätschicht lieber ausschlafen, aber irgendwie denke ich mir: Ich kann mich einfach nicht komplett einigeln und nur noch arbeiten gehen und alles vernachlässigen, was mir eigentlich total wichtig ist!
Was ich wiederum wieder mehr vernachlässige ist meine Familie.
Mein Dad ist auf dem Weg der Besserung und für mich ist es höchste Zeit in mein eigenes Leben zurückzukehren. Dieser Sprung zurück in die "Familie" hat mich eine Menge Kraft gekostet und ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass es sich nicht lohnt, da noch mehr Energie reinzustecken.
Meinem Dad geht es besser und er fragt schon wieder nach Zigarretten. Obwohl er einen schwarzen Fleck auf der Lunge hat. Ich habe die Befürchtung, dass er auch bald wieder nach Alkohol fragt, obwohl seine Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Er wird auch wieder arbeiten gehen, wenn er wieder gesund ist.
Ich will sie nicht ganz loslassen, doch die Hoffnung zerfließt in meinen Fingern zu einer breiigen Masse, die sich langsam aber sicher verflüchtigt. Ich will sie nicht loslassen. Und doch will ich sie nicht ansehen, da diese Hoffnung eigentlich keinen Platz mehr in meinem Leben hat. Meine Mutter beteuert immer wieder, dass sie davon überzeugt ist, dass sich etwas ändern wird. Doch gleichzeitig, neben der Entschlossenheit sehe ich die Angst in ihren Augen, dass alles bleibt wie es war. Bis es dann irgendwann ein endgültiges Ende gibt.

Ich denke, mein Dad hat noch eine Chance bekommen. Mutter Natur hat ihm noch eine Chance gegeben, dass er sein Leben noch mal ändern kann, wenn er will. Dass er dabei nur so knapp dem Tod entronnen ist, war eine klare Warnung. Er hat es selbst in der Hand. Ich habe um ihn geweint und für ihn gebetet, war jeden Tag bei ihm um ihm zu zeigen, dass er nicht allein dasteht.

Jetzt muss er allerdings für sich selbst entscheiden, ob er etwas ändert oder nicht. Ich denke nicht, dass er eine weitere Chance bekommt, wenn er es vergeigt.

Dienstag, 11. November 2008

Schicksalsschläge

Momentan mach ich echt ne scheiß Zeit durch. Mein Dad liegt im Krankenhaus. Schon seit letzten Freitag. Immernoch auf der Intensiv. Meine Mutter hat an dem Abend den Notarzt gerufen, weil mein Dad Blut gespuckt hat. Hätte sie das nicht gemacht, wäre er am nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht, so die Ärzte. Wir sind noch alle am Abend ins Krankenhaus gefahren. Er sah echt alles andere als gut aus. Er hat ein handtellergroßes Magengeschwür, von dem wir noch nicht wissen, ob es gut oder bösartig ist. Er wurde noch in der Nacht operiert, weil das Ding nicht aufgehört hat zu bluten. 1,5 Liter Blut haben sie ihm aus dem Magen gepumpt. Er bekommt immer noch Bluttransfusionen. Bei der Op haben die das Ding erst mal zugenäht. Mal sehen wie es jetzt weiter geht. Mir geht es seit Tagen schon ziemlich schlecht. Auch wenn wir einige Differenzen haben und er durch seinen Lebensstil nicht gerade verhindert hat, dass sowas passieren würde, ist er trotzdem mein Dad. Und ich habe Angst um ihn.
Ich arbeite diese Woche viel, treffe mich mit Freunden und fahre fast jeden Tag ins Krankenhaus. Martin hat das ganze Wochenende und gestern bei mir geschlafen. Ich bin so ungern allein, besonders Abends.

Ich würde mir so sehr für ihn wünschen, dass er da heil wieder raus kommt und endlich etwas an seinem Leben verändert. Als er in der Nacht auf Samstag notoperiert wurde, war ich die ganze Zeit wach und habe zu meiner Göttig gebetet, dass er noch eine Chance hat, sein Leben wieder zu richten. Er kann doch nicht einfach so gehen, nach allem, was passiert ist? Jeder Mensch verdient es doch, eine Chance zu bekommen, seinem Leben noch eine andere Richtung zu geben? Ich würde es mir so sehr für ihn wünschen.
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