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Hoffnungsbrei

Als ob mich mein Gewissen nicht schon genug plagen würde, bezüglich der Leute, bei denen ich mich momentan nicht melde und bezüglich meines Freundes, für den ich noch weniger Zeit habe als sowiso schon und für den ich momentan noch schwieriger zu ertragen bin als sowiso schon, habe ich natürlich auch ein schlechtes Gewissen, dass ich mich nicht melde.
Es steht mir mal wieder eine verdammt lange Woche bevor mit einem halben freien Tag den ich bei einer Freundin verbringen werde. Wahrscheinlich. Eigentlich würde ich Samstag nach drei Tagen Spätschicht lieber ausschlafen, aber irgendwie denke ich mir: Ich kann mich einfach nicht komplett einigeln und nur noch arbeiten gehen und alles vernachlässigen, was mir eigentlich total wichtig ist!
Was ich wiederum wieder mehr vernachlässige ist meine Familie.
Mein Dad ist auf dem Weg der Besserung und für mich ist es höchste Zeit in mein eigenes Leben zurückzukehren. Dieser Sprung zurück in die "Familie" hat mich eine Menge Kraft gekostet und ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass es sich nicht lohnt, da noch mehr Energie reinzustecken.
Meinem Dad geht es besser und er fragt schon wieder nach Zigarretten. Obwohl er einen schwarzen Fleck auf der Lunge hat. Ich habe die Befürchtung, dass er auch bald wieder nach Alkohol fragt, obwohl seine Nieren nicht mehr richtig funktionieren. Er wird auch wieder arbeiten gehen, wenn er wieder gesund ist.
Ich will sie nicht ganz loslassen, doch die Hoffnung zerfließt in meinen Fingern zu einer breiigen Masse, die sich langsam aber sicher verflüchtigt. Ich will sie nicht loslassen. Und doch will ich sie nicht ansehen, da diese Hoffnung eigentlich keinen Platz mehr in meinem Leben hat. Meine Mutter beteuert immer wieder, dass sie davon überzeugt ist, dass sich etwas ändern wird. Doch gleichzeitig, neben der Entschlossenheit sehe ich die Angst in ihren Augen, dass alles bleibt wie es war. Bis es dann irgendwann ein endgültiges Ende gibt.

Ich denke, mein Dad hat noch eine Chance bekommen. Mutter Natur hat ihm noch eine Chance gegeben, dass er sein Leben noch mal ändern kann, wenn er will. Dass er dabei nur so knapp dem Tod entronnen ist, war eine klare Warnung. Er hat es selbst in der Hand. Ich habe um ihn geweint und für ihn gebetet, war jeden Tag bei ihm um ihm zu zeigen, dass er nicht allein dasteht.

Jetzt muss er allerdings für sich selbst entscheiden, ob er etwas ändert oder nicht. Ich denke nicht, dass er eine weitere Chance bekommt, wenn er es vergeigt.
Sea (Gast) - 18. Nov, 10:38

Ja, das ist richtig. Dein Dad muss seine Entscheidung selber treffen, und du musst vor allen Dingen lernen, dich davon abzugrenzen. Das ist wie mit einem Gummiband. Du wirst immer wieder zurück in alte Muster geworfen. Pass auf, dass das nicht passiert.

felix-und-stefan - 18. Nov, 11:29

hoffnung

die hoffnung stirbt zuletzt

Gänsekraut (Gast) - 18. Nov, 19:21

Dem, was Sea geschrieben hat, ist kaum etwas hinzuzufügen; ich sehe das genauso. Nicht nur Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, Eltern auch.
Ich denk' an Dich!

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